Greifswald (SPA): In der Firma wird seit jeher die Zeitspanne zwischen Impuls (Anfrage) und Reaktion nicht in Minuten, Stunden oder Tagen gemessen. Die hierfür geschaffene Einheit beträgt exakt 1 Bormann.
An der Haltestelle
stehen
Und es tut weh, dich schon wieder so wiederzusehen
Und es tut weh
Das wir gleich wieder gehen
Nun wirbelt sich IT-Administrator Bormann flummyhaft auf das von Frauen dreier Generationen mit dem ersten Gitarrenakkord gefüllte Parkett. Die über dem Saaleingang installierte Atomuhr zeigt tiefrot blinkend schier unglaubliche 2,37 Yoktobormann an.
Greifswald (SPA): Eine ältere Frau wird geschlagen. Am Boden liegend mit Füßen malträtiert. So wie es bei der Beurteilung dieser Tat an sich keine zwei Meinungen geben kann, so schnell wandelt sich das selbstverständliche Mitgefühl für das Opfer in den sozialen Netzen in einen Schuldsuche-Motiv-Herkunfts-Shitstorm, der aus der Hüfte geschossen vorerst dort beim Täter („an die Wand!“) und hier der namentlichen Nennung toleranzschwafelnder und linksgrünversiffter Forumsmitglieder beginnt.
Greifswald (SPA): Marlen weiß in der Folge von unzähligen Keksrezepten zu berichten, von denen sie im Laufe ihres Lebens gelesen und gehört, sie später jedoch wieder vergessen habe. Kurze Pausen in ihren Ausführungen nutzt sie, um, von ihrem ersten Fund beflügelt, in der Wohnung nach weiteren erigierten Brustflossen und Ähnlichem zu fahnden. Bis ihre Augen nach einer Oberkörperdrehung zwei gerahmte Bilder an der Wand direkt hinter ihrem Rücken entdecken. An Lena gewandt fragt sie: „Hast du die auch gemacht?“ Das bis soeben mir und der Kreisstanze gewidmete Lächeln wird zu einem lauten Lachen. „Das sind zwei Dali-Drucke, die ich mir vor einigen Jahren aus Barcelona mitgebracht habe. Mit Motiven aus der Göttlichen Komödie.“
„Lena Dali. Was für ein Name!“, bemerke ich.
Greifswald (SPA): Traditionell lädt Lena kurz vor dem feierlichen Entzünden der ersten Adventskerze einige Freunde zum Plätzchenbacken ein. Der Anstoß erfolgt am Samstag um 15:30 Uhr. Eine Parallelveranstaltung zur Bundesliga. Wenige Minuten nach Drei betätigen die ersten Hobbybäcker den türsignalen Klingelknopf. Heide schlägt auf Position Eins auf. Dann läuten Ina und Marlen. Bisschen später Lena Zwo mit Tochter. Und zum Schluss erscheint Kristin. Männer? Ich bin da.
Greifswald (SPA): Ich bin unterwegs zum Sandow-Konzert in Rostock und entdecke im Vorbeifahren zwei junge Männer an einer ziemlich ungünstigen Stelle am Straßenrand stehen. „Rostock“ ist auf einem Schild zu lesen, das der eine vor der Brust trägt. Zu spät gesehen, denke ich noch und biege wenig später am Ende der Grimmer Straße nach rechts ab, um zu tanken. Ein Dutzend weiterer Feierabendtanker haben offenbar dieselbe Idee, weshalb ich sofort kehrt mache, wieder in Richtung Bahnhof fahre, auf dem Netto-Parkplatz halte und hinüberrufe: „Wollt ihr mit?“.
Greifswald (SPA): Es ist stockdunkel und diesig, als wir in Greifswald starten – so dunkel, dass es wenig Sinn macht, über Land zu fahren und ihm ein bisschen von der Schönheit Vorpommerns und Mecklenburgs zu zeigen. Nachdem er gestern noch mal gedankenverloren, dann wieder freudig erregt durch seine alte Heimat Eldena streifte, wirkt er nun ein wenig enttäuscht.
Greifswald (SPA): Eine Diskussion am Samstagabend zum Zustand der BILD-ung, des UNTER-RICHTENs und des Er-ZIEHENs an den Schulen und der Universität bringt mich dort dazu, eine kleine Anekdote aus meinen Studientagen preiszugeben, die, so die einhellige Meinung in unserer kleinen Runde, den Zustand des Systems selbst im Heute zutreffend beschreibt.
Greifswald (SPA): Als es an die Verteilung der dänischen Schlafgäste geht, muss ich als neues Mitglied der Beherbergungsgemeinde sehen, was übrig bleibt. Das geheimnisvolle Getuschel und Gelächter, das sich mit dem Los namens Mogens unter meinen Freunden ergibt, weckt in mir ein wenig Spannung, da der Mann bei seinen bisherigen Auftritten offenbar ein paar ganz tiefe Spuren in der nordostdeutschen Erde hinterlassen hat.
Ursache, dann Wirkung
Greifswald (SPA): In der Nachbarschaft trampelt der Merkules-Sportsmann wieder einmal um 7 Uhr die Treppe hinunter, so als würde er auf jede einzelne Stufe noch einen Telemark zaubern. Um sich, auf diese Weise unlügbar aufgewärmt, im nächsten Moment die Stöcker umzuschnallen und, nachdem er die Tür aus dem Weitwinkel zuscheppern lässt, seine morgendliche Nordic-Walking-Runde auf dem Wall zu beginnen.
Greifswald (SPA): Es war einmal ein tiefer dunkler Wald, der von Jahr zu Jahr dunkler wurde, da all das gefallene Laub und das gebrochene Geäst kaum noch einen Sonnenstrahl auf den Boden ließen und Pilze, wenn sie denn wuchsen, ein unscheinbares und für menschliche Augen kaum sichtbares Dasein fristeten.
Manche Losungen sind wirklich Kacke ...
Greifswald (SPA): Ich schlug an einem Donnerstag vor drei Jahrzehnten in Greifswald auf. Zum Studieren und „umgelenkt“ von Dresden in diese Stadt, von der ich bis dahin gefühlt nur aus einem Gerichtsbericht in der Wochenpost gelesen hatte. Das Besondere an diesen Berichten: die Täter bekamen Tiernamen, die ebenso wie der Vorname mit der Initiale der Stadt begannen. Keine genaue Erinnerung, aber vermutlich hatte in diesem Fall der Greifswalder Günter Ganter ein gelbes Fahrrad gestohlen.
Greifswald (SPA): Mit der Reanimation des Greifswalder Namensstreites um den Patron der Universität ist eine Neubesetzung der Stühle Schwarz und Weiß in greifbare Nähe
gerückt. Nachdem die Initiative "Ernst Moritz Arndt bleibt" sich im Frühjahr erfolgreich um 1040 Unterschriften für eine Urabstimmung bemüht hatte, deren Tinten mangels Controlling
jedoch vier Monate im Nirvana austrockneten, rief der Akademische Senat nun zur erneuten Beschäftigung mit der Umbenennung auf. Grund ist die Behebung der im Januar vom Bildungsministerium
beanstandeten Formfehler im Zuge der letzten Abstimmung.
Greifswald (SPA): Seit gestern besitzt Mecklenburg-Vorpommern das weltweit erste Moor Drive-In und hat damit einen neuen Impuls für die im Aufschwung begriffene, gesundheitsorientierte Tourismusbranche gesetzt. Mit dem Abbruch eines Teilstücks der A20 in der Trebeltalquerung zwischen Greifswald und Rostock werden Nutzer der Küstenautobahn in die Lage versetzt, Verspannungen und Muskelverhärtungen, die sich auf der langen Reise durch die Weiten des Bundeslandes manifestiert haben, ohne nennenswert zusätzlichen Zeitaufwand schmerztherapeutisch mit Moorpackungen zu versorgen.
Greifswald (SPA): Der um halb Elf avisierte Termin ist seit einer Dreiviertelstunde verstrichen. Ich blicke ein weiteres Mal ungeduldig auf die Uhr, die direkt über dem Fahrstuhl hängt und versuche mich mit einer neuerlichen Prophezeiung. Dass der Aufruf meines Namens binnen der nächsten fünfzehn Minuten erklingen wird. Neue Richtzeit: 11:30 Uhr.
Liebe Kinder, liebe Jugend!
Das ist ein Springbock (kurz: Bock). Der Springbock steht auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Sportgeräte. Bis weit in das letzte Viertel des 20. Jahrhunderts war er, vor allem in den Monaten November bis März, in den Turnhallen Deutschlands anzutreffen. Meist hielt er sich im geschlossenen Gelände auf dem Parkett zwischen einem Sprungbrett und einer dicken Matte auf. Ersteres erleichterte das Überqueren des Springbocks, die Matte wiederum federte die unbedingt anschließende und durch die Gravitation erzwungene Landung ab. Wer den Sprung über den Bock verweigerte oder gar um diesen herumlief, wurde durch den Springbockhalter sanktioniert.